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Lawinen

 

 

Inhalt

» Geschichte

» Forschung

» Lawinenarten

» weitere Unterscheidungen

» Gefahrenstufen

» Verhaltensweisen und Basisausrüstung

» auf dem Weg

» Notfallplan

 

 
Seit die Menschen begonnen haben den Lebensraum im Gebirge zu erschließen, werden sie von Lawinen bedroht.

Schon der karthagische Feldherr Hannibal verlor im Verlauf seiner Alpenüberquerung rund die Hälfte seiner Männer durch Lawinen. Den Feldzug begann er immerhin mit 40.000 Soldaten und 37 Kriegselefanten!

Bis in unser heutiges, technisches Zeitalter haben Lawinen nichts von ihrer Bedrohlichkeit verloren. Auch im Außerfern waren immer wieder verheerende Lawinenabgänge zu verzeichnen, welche oftmals Leib und Leben sowie Hab und Gut mit kolossaler Urgewalt vernichteten.

Woher stammt denn eigentlich der Ausdruck Lawine?

Es leitet sich vermutlich aus dem lateinischen labi (herabgleiten) oder labes (Sturz, Fall) ab.

Forschung

Lawinen werden heute wissenschaftlich erforscht. Modellversuche und Simulationen sollen das Rätsel der Entstehung lüften und die Voraussetzungen für Lawinenabgänge veranschaulichen.

Es ist mittlerweile bekannt, dass eine Vielzahl von Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen, z. B. der Neigungswinkel des Hanges, die Windeinwirkung, die Schneebeschaffenheit, die Schneehöhe und die Temperatur.

Die eigentliche, resultierende Ursache für einen Lawinenabgang ist immer eine kritische Instabilität im Zusammenhalt der Schneedecke.

Bei einer extremen Instabilität kann es dazu kommen, daß sich die Lawine bzw. das Schneebrett selbst auslöst (Selbstauslösung). Wesentlich häufiger ist es jedoch der Fall, daß ein externer Auslöser den Abgang verursacht, wie z. B. ein Skifahrer, Schallwellen oder Druckwellen (Lawinensprengung).

Lawinenarten

• Staublawine

Bei trockenem Schnee kann aus der Fließlawine bei ausreichender Geschwindigkeit eine Staublawine entstehen. Durch eine Luftverwirbelung kommt es dann zu einer Luftkissenbildung, auf welchem die Lawine dann mit bis zu 400 km/h zu Tal prescht.

Vorwiegend entsteht diese Lawine bei ergiebigem Fallen von Neuschnee.

Die eigentliche Gefahr bei dieser Lawinenform sind nicht die Schneemassen selbst, sondern die enorme Druckwelle die ihr vorauseilt und die Druckverhältnisse im Inneren der Lawine. Gerät ein Mensch in eine solche Lawine, kann der Druck die Lunge des Opfers zum Platzen bringen.

Es ist unwahrscheinlich, dass eine Person lebend aus einer Staublawine geborgen werden kann.

Die Häufigkeit dieser Lawinenform ist wesentlich geringer als die einer Fließlawine.

• Grund-, Fließ- und Nassschneelawine

Im Gegensatz zur Staublawine ist die Fließlawine berechenbar. Meistens geht sie im Frühjahr bei Tauwetter zu Tal. Der Schnee wird weich und "fließt" förmlich über den Hang ab. Da die Schneeeigenschaften dann über ein großes Einzugsgebiet gleich sind, kommt es häufig vor, dass sich dann mehrere, kleiner Lawinenstriche zu einer großen Lawine vereinigen und aufgrund ihres Gewichtes durch den nassen Schnee einen enormen Druck aufbaut.

Dieser Druck ist nun so groß, dass die Lawine in der Lage ist, Bäume und riesige Felsbrocken mitzureißen. Wenn sie dann im Tal auf Gebäude trifft, werden diese einfach zerdrückt.

So wurde herausgefunden, dass der Druck dann bis zu 100 Tonnen pro Quadratmeter und mehr betragen kann.

Da bei dieser Lawinenform kein Luftpolster aufgebaut wird, sind die Geschwindigkeit sowie die Auslaufstrecke wesentlich geringer als bei einer Staublawine.

Die Nassschneelawine hinterlässt immer einen großen Lawinenkegel, welcher sich 30 Meter hoch auftürmen kann.

Weitere Unterscheidungen

Haben wir in den vorhergehenden Punkten die Staub- und Fließlawine als nach der Fortbewegungsart charakterisierten Lawinenart kennen gelernt, so kommen wir nun zu der Unterscheidung durch Entstehung.

• Schneebrett (Schneebrettlawine)

Der Schnee bricht hier scharfkantig an breiter Front ab. Sie werden häufig durch Skifahrer und Tourengeher ausgelöst und sind die häufigste Lawinenart.

Im Moment des Abbruches ist laut Augenzeugen und Betroffenen meist ein dumpfer Knall zu hören.

Die abgebrochene Schneeschicht gleitet dann auf einer darunterliegenden Schicht zu Tal.

Befindet sich ein Mensch oder ein Tier in der Zone unterhalb der Abbruchkante, wird er (es) wie auf einer Eisscholle mitgetragen und mit in die Tiefe gerissen.

Bei zunehmender Geschwindigkeit brechen die Schollen und Blöcke auseinander, haben aber teilweise immer noch die Größe von Kühlschränken oder größer.

Mit einer Geschwindigkeit von 80 - 100 km/h fegt die Schneebrettlawine nun in die Tiefe. Ist der Schnee trocken und kalt, fängt das Schneebrett an zu fließen.

Menschen, welche in ein solches Schneebrett geraten sind, berichteten, dass sich der Schnee durch den hohen Druck überall unter die Kleidung drückt und Nase, Mund und Ohren füllt.

Der Schnee verdichtet sich und wird nach dem Stillstand der Lawine hart wie Beton. Das Lawinenopfer kann sich nun nicht mehr bewegen.

• Lockerschneelawine

Meist beginnt diese Lawine an einer kleinen Stelle. Schnee rieselt den Hang hinab. Die herabrollenden Schneekörner reißen dann andere Körner mit. Die Lawine nimmt dann recht schnell an Masse zu und hinterlässt dann eine typische fächer- oder birnenförmige Spur.

Diese Lawinenform kann man oft nach Schneefall und ruhigen Windverhältnissen beobachten.

Eine weitere Lawinenart ist die

• Eislawine

Sie kommt nur bei Gletschern vor. Das Eis bewegt sich bis zu einem Abbruch voran, die Eisbrocken brechen daran hinunter und fallen dann wie Felsbrocken in die Tiefe.

Schlagen diese Eisbrocken an den Felswänden auf, bersten sie und werden zu feinen Schneepartikeln zerschlagen.

Gefahrenstufen

Gefahrenstufe

Stabilität

Auslösewahrscheinlichkeit

gering = 1

Schneedecke ist verfestigt und stabil

Lawinen allgemein nur bei großer Belastung der Schneedecke an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Spontan nur sehr kleine Lawinen

mäßig = 2

Schneedecke ist an einigen Steilhängen nur mäßig, ansonsten allgemein gut verfestigt

Lawinenauslösung ist insbesondere bei großer Zusatzbelastung (z.B. Skifahrergruppe ohne Abstände, Pistenfahrzeug, Fußgänger im Abstieg) vor allem bei Steilhängen, welche steiler als 30° abfallen möglich.
Größere spontane (selbstauslösende) Lawinen sind in der Regel nicht zu erwarten

erheblich = 3

Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt

Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung (einzelner Skifahrer oder Fußgänger im Aufstieg), vor allem an den Steilhängen mit über 30° Hangneigung wahrscheinlich.
Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich

groß = 4

Schneedecke ist an den meisten Steilhängen schwach verfestigt

Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten

sehr groß = 5

Schneedecke ist weitgehend schwach verfestigt und instabil

Spontan sind zahlreiche Lawinen auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten

Verhaltensweisen und Basisausrüstung

Wie sollten Sie sich bei Lawinengefahr im Gelände verhalten?

Um diese Frage genauer erörtern zu können, sollte im Vorfeld beachtet werden, daß im Gelände eine gewisse Basisausrüstung mitzuführen ist:

• Lawinen-Verschütteten-Such-Gerät (LVS-Gerät)
(Bitte immer vor Tourbeginn die Batterien überprüfen!)

• Lawinenschaufel (zusammenklappbar, leicht und bruchsicher)

• Lawinensonde (zur genauen Punktortung von Verschütteten)

• Erste-Hilfe-Paket (natürlich sind die im Vorfeld absolvierten Erste-Hilfe-Kurse eine Voraussetzung für den gezielten und lebensrettenden Einsatz des Erste-Hilfe-Paketes)

• Lawinen-Airbag (immer öfter kommen solche Rucksäcke, welche über selbstaufblasende Luftsäcke verfügen auf den Markt. Allerdings ist trotz funktionierendem Lawinen-Airbag ein Verschütten des Opfers möglich!)

• Handys sind für die Alarmierung bei Alpinunfällen in den letzten Jahren zu einem lebensrettenden Werkzeug geworden und nicht mehr wegzudenken. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass im Gebirge oftmals der Empfang fehlt!

Europäische Notrufnummer 112

Bergrettungsrufnummer Österreich 140

Bergrettungsrufnummer Deutschland 19232


• Kartenwerk (für die Planung der Tour, aber auch um im Falle eines Lawinenabganges den Rettern die genaue Position übermitteln zu können)

Nun zum Verhalten selbst: Die Basisausrüstung ist im Rucksack verstaut und das LSV-Gerät wird beim Tourantritt bzw. vor dem Freeride eingeschalten. Sie haben sich zu Hause bereits über das Internet, per Telefon oder den TV (Teletext) über den aktuellen Lawinenlagebericht informiert und die Gefahrenstufe eingeprägt.

Weiters haben Sie den Wetterbericht mit den Winddaten für den gewünschten Tourenzeitraum und den Zielort nachgelesen.

Unter Zuhilfenahme von dem geeigneten Kartenwerk planen Sie die Tour und geben Freunden, Verwandten oder Bekannten Ihr Tourenziel bekannt!

Auf dem Weg

• Erkennung und Beurteilung des Schneeprofils

• Hangneigung, Exposition (Gelände)

60% aller Lawinenunfälle passieren in Nordhängen! Südhänge sind statistisch bedeutend "sicherer"!

• Temperaturverlauf der letzten Stunden und aktuell?

• Neuschneezugänge in welchem Ausmaß? Wie ist die Bindung zum Altschnee?

• Welche Windverhältnisse haben in den letzten Stunden geherrscht? (Verwehungsbildung, Triebschnee)

• Sind schon Schneebretter oder andere Lawinen abgegangen?

• Wie ist die Durchfeuchtung des Schnees? (Wetterlage der vorhergehenden Tage? Trocken, naß oder schichtabhängig?)

• Setzungsgeräusche? Dumpfes Krachen, welches auf die Setzung der Schneedecke hindeutet?

• Bei Hangquerung immer einzeln durchfahren und andere immer im Auge behalten

• Wieviele Gruppenmitglieder sind dabei? Niemals alleine!

• Sicheren Sammelplatz auswählen bei Hangquerungen, lawinensichere Geländeform für Sammelplatz unbedingt erforderlich!

• Genügend Kraft- und Zeitreserven für eine Umkehr sparen!

Was tun bei einem Lawinenabgang mit Verschütteten?

(Notfallplan)

• Beobachten Sie den Lawinenabgang genau! Prägen Sie sich besonders den Erfassungs-, Verschwinde- und vermuteten Liegepunkt des (der) Verschütteten ein!

• Markieren Sie diese Punkte

• Suchen Sie den Lawinenkegel zuerst optisch und akustisch ab (aus dem Schnee ragende Gegenstände, Hilferufe)

• Beobachten Sie die angrenzenden Hänge, es können jederzeit Nachlawinen abgehen!

• Beginnen Sie die Grobsuche und alarmieren Sie gleichzeitig die organisierte Rettung!

-> Wer meldet? (Name, evtl. Telefonnummer)

-> Wo ist das Unfallgebiet? (Karte, Bekanntgabe von Flughindernissen)

-> Was ist geschehen?

-> Wieviele Verschüttete bzw. Verletzte?

-> Witterungsverhältnisse vor Ort? (Schneefall, Nebel, etc.)

Aber auch wenn die Rettung alarmiert wurde, ist eine schnellstmögliche Suche der Verschütteten maßgeblich!

Im Schnitt benötigt die organisierte Rettung etwa 35 - 40 Minuten bis zu ihrem Eintreffen. Jedoch fällt die Überlebenschance schon nach etwa 15 Minuten in der Lawine rapide ab!!!

Also ist die Hilfe vor Ort die Wichtigste!!!

Stellen Sie und ihre Kameraden nun die LVS-Geräte auf Empfang und gehen Sie nebeneinander im Abstand von ca. 20 Metern vom Ende des Lawinenkegels bergwärts in Richtung Lawinenabriss.

Sind nur Sie vor Ort, gehen Sie in Serpentinen vom Lawinenkegel bergwärts.

Wird ein Signal empfangen, folgen Sie den Feldlinien bis das Signalmaximum erreicht wird. Mit einer Lawinensonde stellen Sie nun die Tiefe des Verschütteten fest.

Graben Sie nun leicht von der Seite zum Verschütteten. Wenn mehrere Personen verschüttet wurden, schalten Sie sofort dessen LVS-Gerät ab um die anderen Signale dann besser lokalisieren zu können!

Nun muss sofort die Erste Hilfe und im Bedarfsfall die lebensrettenden Maßnahmen eingeleitet werden.

Befreien Sie die Atemwege sofort vom Schnee.

Schützen Sie den Geretteten vor dem Auskühlen.