Heute ist es uns doch glatt einmal gelungen rechtzeitig
aufzustehen, um dann nicht in der ärgsten Mittagshitze auf die
Berge stiefeln zu müssen. Nadja kann mittels der "Noch-fünf-Minuten-Mami-Taktik"
noch etwas Zeit herausschinden, aber um viertel nach sieben
ist dann endgültig Tagwache angesagt. Joe ist auch noch mit
einer leichten Bewusstlosigkeit geschlagen. Aber während wir
die Rucksäcke klarmachen, kann auch er sich dazu aufraffen,
sein Schlafgemach zu verlassen. Joe ist übrigens ein
Morgenmuffel.
Als nun alles eingepackt ist, kann die Reise in Richtung
Lechtal losgehen. Unser heutiges Ziel ist die Grießbachalpe
und ein Gipfelmarsch auf die Wannenspitze. Das Wetter ist
heute wieder seit längerem vorzüglich und so steht dem
Unterfangen eigentlich nichts mehr im Wege. Das Fahrzeug
parken wir in Grießau (Weiler von Häselgehr), direkt am Beginn
des Transportweges zur Alm am dafür vorgesehenen Parkplatz.
Die angenehme Kühle des Morgens macht den Anstieg wesentlich
einfacher und so kommen wir gut voran. Etwa eine halbe Stunde
Fußmarsch ist erforderlich, bis man den eigentlichen
Taleingang erreicht hat. Aus dem Wäldchen kommend, kann man
gleich einen atemberaubenden Schluchtblick genießen. Beinahe
eben geht es dann das Tal einwärts, welches sich an seinem
Ende nach links zieht.
Schon bald kann man in der Ferne den Almboden mit dem
Almgebäude ausmachen, welches von herrlichen Bergen
eingerahmt, noch im morgendlichen Schatten liegt. Die Gipfel
sind schon in ihrer ganzen Pracht von der Sonne beleuchtet und
die Schneefelder glitzern uns aus der Höhe entgegen. Nach etwa
eineinhalb Stunden ist nun der erste Teil unserer Tour
geschafft. Für einen Einkehrschwung in die Grießbachalm ist es
aber noch zu früh und wir wandern links an der Hütte vorbei,
weiterhin auf einem Forstweg bleibend.
Kurz hinter der Hütte befindet sich direkt neben dem Weg ein
Stollen, über dessen Ursprung ich mir nicht sicher bin.
Vielleicht kennt ja jemand den Nutzen und schreibt mir einmal
eine E-Mail? Wir gehen also den Weg bis zum Bach und können
bis dato noch keinen Wegweiser, welcher uns auf den Weg zur
Wannenspitze leiten würde, erkennen. Es geht noch über einige
Kehren hinauf und dann erreichen wir das Ende des Fahrweges.
Wo ist nun der Weg zur Wannenspitze? Schon bei früheren Touren
im Lechtal habe ich die Erfahrung gemacht, dass die
Beschilderungen teilweise katastrophal sind oder gar gänzlich
fehlen, so wie in diesem Fall. Wir stapfen über eine Weide
nach links auf einen Geländerücken um zu sehen, ob wir nicht
irgendwo den Steig ausmachen können. Dort angekommen finden
wir tatsächlich Hinweise auf einen Steig und folgen den schon
eher ausgebleichten Markierungen.
Der Weg ist allerdings ziemlich steil, führt aber wenigstens
durch kühlenden Wald in die Höhe. Nach einer halben Stunde
Steilaufstieg erreichen wir dann einen noch steileren
Graslatz. Im Zickzack queren wir den Steilhang und Nadja
bekommt bald Angst, sie könnte im noch feuchten Gras ins
Rutschen kommen und abstürzen. Nachdem ich sie wegen dieser
kleinen Panikattacke beruhigt habe, beschlossen wir nicht mehr
weiterzugehen und erst einmal eine Rast zu machen. Wir wollen
erst absteigen, wenn der Graslatz von der Sonne etwas
getrocknet wurde.
Der Abstieg gestaltet sich dann ziemlich angespannt. Langsam
tapsen wir Schritt für Schritt an der Seite des Steilhanges
hinunter und erreichen dann endlich den sicheren Wald. Von
dort ist der restliche Weg hinunter dann ein Kinderspiel, aber
die Lust am Wandern ist zumindest mir für heute vergangen. Um
uns wieder zu entspannen geht es dann zur Alm zurück.
Kurz vor der Hütte entdecken wir dann über dem Bach einen
kleinen Pfad, der durch die Latschen führt. Dies muss der
"echte" Weg auf die Wannenspitze sein. Allerdings ist auch
beim Rückweg kein einziger Wegweiser zu entdecken. Wieder
einmal muss ich an dieser Stelle den Verantwortlichen den
Vorwurf machen, hier ihre Aufgabe nicht sorgfältig
auszuführen!
Auf der Hütte selbst beginnt dann ein ganz anderes Kapitel.
Zur Begrüßung gibt es erst einmal einen Schnaps, vorher wird
man nämlich gar nicht eingelassen. Weiter geht es dann mit
einem Programm, das man wohl so schnell auf keiner Hütte zu
sehen bekommt. Nachdem der Hüttenwirt Toni die Gäste mit ein
paar Witzen aufgelockert hat, geht es daran den Wettbewerb im
"Gamsmelken" zu bestreiten. Alles in allem gestaltet sich der
Nachmittag dann sehr amüsant und die vorwiegend älteren
deutschen Gäste haben an dem Entertainer Toni ihre wahre
Freude.
Nach einem guten Kaiserschmarren geht es dann den selben Weg,
den wir heraufgekommen sind wieder zurück ins Tal. |
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