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Noch morgens sah es
so aus, als würde es ein wunderschöner Sonnentag werden und
ich packe meinen Rucksack für eine „größere“ Tour, doch schon
beim nächsten Blick aus dem Fenster sind dunkle
Wolkenformationen über den Bergen des Lechtales und der
Allgäuer Alpen zu sehen. Schnell ziehen diese Wolkenbänke nach
Osten und verdunkeln den Tag. Egal, wenn Regen kommt, gehen
Joe und ich eben eine kleinere Tour. Lange überlege ich, wohin
wir denn jetzt gehen sollen.
Ich entscheide mich für die Schwarzhanskarspitze bei Forchach.
Über das Forchacher Älpele (Hochstanzer Alpe) will ich zu dem
2.228 Meter hohen Gipfel aufsteigen, falls das Wetter bis
dahin hält. Nadja fährt uns nach Forchach zum Gasthof Sonne,
von dort startet nämlich der Weg. Vis à vis des Einganges über
der Straße befinden sich die Wegweiser. Mahdspitze,
Schwarzhanskarspitze und Älpele sind dort angeschrieben.
Zunächst führt der Weg über ein schmales, asphaltiertes
Sträßchen über den Ort hinauf. Unmittelbar nach einem
Weidegatter treffen wir erneut auf einen Wegweiser, der uns
auf einen kleinen Pfad durch den Wald führt.
Nur wenige Schritte steigen wir auf um gleich darauf wieder
abwärts zu gehen. In ein kleines Tal hinunter und an der
Forchacher Quellfassung vorbei. Jetzt steigt das Gelände
wieder an und wir folgen dem kleinen Steig nach rechts. Von
jetzt an zieht
sich der Steig über steiles Waldgelände den Berg hinauf. Noch
zweimal werden wir den Forstweg kreuzen. Da der Pfad schmal
ist, das Gras recht hoch steht und es in den letzten Tagen
ausgiebig geregnet hat, werden meine Schuhe zunehmend nasser.
Wasserdicht sind meine Schuhe trotz GoreTex nicht, wie ich
zweifelsohne feststellen muss. Bei meinem nächsten
Bergschuhkauf werde ich nur noch auf das altbewährte Leder
setzen.
Als ich also etwa 20 Minuten unterwegs bin, triefen meine
Schuhe vor Nässe und daran wird sich den ganzen Tag nichts
mehr ändern. An das Laufen in total durchnässten Schuhen war
ich ja noch von der Tour auf die Bretterspitze gewohnt. Also
immer schön weiter stapfen. In etlichen Kehren zieht sich der
Steig über das Gelände hinauf und dabei führt er oftmals an
eindrucksvollen Felsenbändern vorbei und ganz dicht an die
Schlucht des Wassertals heran. Der Steig ist insgesamt sehr
schön und am besten gefällt mir, dass sich hier keine
Menschenseele aufhält. Auch heute haben wir wieder einen Berg
für uns alleine.
Nach zirka einer Stunde treffen wir auf die kleine Jagdhütte
des so genannten „Hüttenhofes“. Wie sie so im Wald steht,
erinnert sie an das Hexenhäuschen aus dem Märchen Hänsel und
Gretel. Nach dem Hüttenhof wird der Weg dann zunehmend
gerölliger und bald treffen wir auf das Spitztal. Eine
Viertelstunde später erreichen wir erneut das Wassertal. Von
hier sind es nur noch wenige Schritte bis in den kleinen
Kessel, in dem das Forchacher Älpele und die Jagdhütte stehen.
Vor allem das Älpele macht einen sehr urigen Eindruck.
Hier machen wir erst einmal Rast. Ich schaue mich ein wenig in
dem kleinen Kessel um und fotografiere die nahe Bergwelt sowie
die kleine Hütte. Nach zehn Minuten geht es dann weiter.
Zunächst ist nicht ganz klar wie der Weg nun weiter verläuft.
Ein Holzpflock vor der Hütte dürfte einst als Wegweiser
gedient haben, allerdings ist kein Schild mehr daran
angebracht. Nur noch ein rostiger Nagel lugt hervor. Ich gehe
also links der Hütte an dem vermeintlichen „Wegweiser“ vorüber
und erkenne dann auch den kleinen Pfad, welcher sich von hier
über den beinahe ebenen Waldboden hinzieht.
Minuten später wandern wir an einer Hirschlache vorüber, die
eine eigenartige rostbraune Färbung aufweist. Kurz hinter dem
Hirschbad steigt der Pfad nun durch ein kleines Tal zwischen
einem bewaldeten Felskopf und einem Schotterries bergan. Schon
von unten kann man den weiteren Wegverlauf erkennen, welcher
sich oben unter ein paar latschenbewachsenen Felsen quer durch
das gesamte Schotterries zieht. Nach wenigen Minuten befinden
wir uns auch schon am Ende dieses Querganges und im dichten
Latschengehölz geht es weiter. Eine Serpentine später sehe ich
dann schon hinüber zu dem kleinen Gipfelaufbau der Mahdspitze
(1.963m). Ei
ne weitere Kehre müssen wir noch hinter uns bringen, dann
kommen wir aus dem Latschenfeld heraus und stehen schon am
unteren Ende der Gipfelwiese der Schwarzhanskarspitze.
Diese Gipfelwiese fällt vor allem durch ihren Blumenreichtum
auf. Ganz in der Nähe können Joe und ich einige Gemsen sehen,
die uns recht gelassen anschauen. Auch Joe scheint keinen
Eindruck auf sie zu machen. Kein Wunder, er ist ja auch brav
und weicht mir nicht von der Seite. Der Charakter des Steiges
ändert sich hier heroben grundlegend: War zuvor noch Schotter
und gröberes Gestein dominierend, trifft man hier nur noch auf
Gras und lehmigen Untergrund. Bei einem Regenguss dürfte sich
dieser Steig in eine schmierige Angelegenheit verwandeln.
Jedoch ist das Gelände nicht sehr steil und so wäre ein Sturz
keine große Gefahr irgendwo über die Felsen zu stürzen.
Aus dem Hornbachtal kommt schon der erste Regen herüber und
ich beeile mich, noch vor diesem den Gipfel zu erreichen -
weit ist es ja gottlob nicht mehr. Am Grat angekommen sind es
nur noch wenige Schritte hinauf zum Gipfelkreuz. Leider kann
ich auch heute keine Rast am Gipfel einlegen, da ich den
Abstieg zurück zur Hütte im Trockenen schaffen will. Ich
schieße nur ein paar Fotos und steige dann gleich wieder ab.
Eigentlich hatte ich ja vor gehabt, über den Rücken der
Schwarzhanskarspitze abzusteigen, am Grat über den
Schartenberg hinüber zum Hallanderberg zu gelangen, um von
dort über die Galtalpe nach Weißenbach abzusteigen.
Jedoch habe ich keine Kenntnis über die Schwierigkeit des
Weges dort hinüber und auf Grund der Witterung wollte ich
nicht später bei Problemen umkehren müssen. Der Steig, den wir
herauf gekommen sind, stellt keinerlei Schwierigkeit dar und
ist bei diesem Wetter die sicherste Alternative. Kurz vor der
Hütte beginnt es dann zu regnen. Wir schaffen es aber doch
noch halbwegs trocken dort anzukommen. Jetzt gibt es erst
einmal eine Brotzeit für Joe und mich und wenn der Regen
vorüber ist, werden wir nach Forchach absteigen. |
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