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Für heute wollen
Nadja, Joe und ich einmal eine Almwanderung unternehmen. So
wählen wir eine Wanderung durch das Sulzltal, bis hinauf zur
Frederic-Simms-Hütte. Das Auto stellt man dazu am besten in
Stockach, unmittelbar vor der neuen Brücke über den Lech
rechts, auf dem Parkplatz ab.
Wir gehen also von dem Parkplatz aus in Richtung Taleingang
Sulzltal und kommen an einigen Bauernhöfen und dem
Lechtal-Haus vorbei. Dort beginnt auch schon der Fahrweg zur
Sulzlalm, dem wir nach rechts hinauf folgen. Einige Gehminuten
später kann der Aufstieg über einen schmalen Fußweg abgekürzt
werden oder man bleibt weiterhin auf dem breiten Forstweg.
Nach etwa einer halben Stunde gelangen wir zu mehreren
Tunneln, welche durch den Fels getrieben wurden, um die Hütte
überhaupt erreichen zu können.
Meist sind diese Tunnel nur kurz, es wäre aber trotzdem
ratsam, sich hier mit einer Taschenlampe auszurüsten. Da das
Wasser durch die Felsen hereinsickert, tropft es ständig in
die dunklen Gänge und an manchen Stellen haben sich schon
beinahe knöcheltiefe Pfützen gebildet, welche man im Dunkeln
natürlich nicht sehen kann.
Trotzdem hat es auch etwas für sich, durch die dunklen Höhlen
zu marschieren und einfach darauf zu vertrauen, nicht gegen
den Fels zu stoßen oder in eine Pfütze zu steigen. Nach
wenigen Minuten gelangen wir dann zum eigentlichen Taleingang.
Wir stellen beide fest, dass der Geländestrukturaufbau bei den
linksseitigen Lech-Seitentälern immer derselbe zu sein
scheint. An der Talsohle arbeitet sich stets der Bach durch
eine schmale Klamm und der Weg verläuft relativ weit über dem
Gewässer um dann in etwa der Talmitte zusammenzutreffen.
Schon bald treffen wir bei der Sulzlalm ein, gehen aber
vorerst daran vorbei, da wir ja noch bis auf die Simms-Hütte
gehen möchten. Kurz hinter der Hütte treffen wir erstmals auf
den Talgrund. Wir überqueren den Sulzlbach und wandern an der
nicht bewirtschafteten Ronig Alpe vorüber. Von den Bergen bzw.
aus dessen kleinen Tälern und Karen haben sich im Winter
mehrere Lawinenabgänge ereignet und jede Menge an Schotter und
Geröll in das Tal heruntergetragen.
Hin und wieder sind noch die Altschneereste der Lawinen zu
sehen. Hoch oben auf den Kämmen ragen noch jetzt riesige
Schneewehen über die Joche hinaus. Etwa eine viertel Stunde
hinter der Ronig Alpe treffen wir auf eine Wegegabelung, die
aber nur eine steile und eine flachere Variante des Weges
markiert. Wir wählen natürlich den flachen Weg, da wir ja nur
eine Almwanderung unternehmen wollen und keinen Steilanstieg
in unserem Programm vorgesehen haben.
Mittlerweile ist auch zum ersten Mal der Blick auf die
Holzgauer Wetterspitze (2.898m) frei. Mächtig und imposant ist
sie von unten anzusehen. Ab und an hört man das Krachen von
Felsbrocken, die sich weit oben aus einer Wand gelöst haben.
Unterhalb der Wetterspitze, an der Flanke eines Vorgipfels
befindet sich die Simms-Hütte. Diese wurde dort beinahe wie
ein Adlerhorst dicht unter die Felsen platziert, vermutlich um
die Gefahr durch Lawinen zerstört zu werden auszuschließen.
Im hintersten Teil des Tales angekommen, macht sich die
gewaltige Kraft der Erosion und des stetigen Einwirkens durch
Wind und
Wasser bemerkbar. Gewaltige Felskolosse liegen in dem Talgrund
und werden von den zahlreichen Murmeltieren, welche sich im
Sulzltal offensichtlich sehr wohl fühlen, als Überdachung für
ihre Unterkünfte genutzt. An einigen solcher Felsriesen führt
der Weg vorbei und auch an der Talstation der
Simms-Hütte-Materialseilbahn. Jetzt ist es nicht mehr weit,
aber der Steilhang fordert doch noch einmal viel vom Wanderer.
In einigen Kehren führt der Steig direkt unterhalb der Hütte
herauf. Die „Gott-sei-Dank-Kurve“ schließt dann den Aufstieg
noch humorvoll ab.
Heute ist leider nicht daran zu denken, gemütlich vor die
Hütte zu sitzen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu
lassen. Ein empfindlich kalter Wind weht um die steinernen
Mauern des Gebäudes und wir entschließen uns, trotz des
Schuh-Verbotes in die Hütte zu sitzen. Wir ziehen also unsere
Schuhe aus und setzen uns in den Gastraum. In dem ist es aber
auch nicht viel wärmer als vor der Hütte und so trinken wir
nur kurz etwas und machen uns bald daran wieder zu der
Sulzlalm abzusteigen.
Von der Simms-Hütte (2.005m) aus können noch zahlreiche Routen
durch die Lechtaler Alpen begangen werden, so verläuft z.B.
direkt hinter der Hütte der Weg hinauf ins Fallenbacher Joch
und von dort dann entweder zur Holzgauer Wetterspitze (2.898m)
oder aber auch zur benachbarten Feuerspitze (2.852m). Weiter
unterhalb der Felswände des Kälberlahnzuges zieht sich der Weg
hinüber ins Falmedonjoch, welcher aber von der Hütte aus
teilweise einen sehr abenteuerlichen Eindruck macht. Über ihn
kommt man hinüber nach Kaisers und zum Edelweiß-Haus.
Wir machen uns aber wieder auf den Weg hinunter ins Sulzltal (Sulztal)
und sind auch schon bald bei der gleichnamigen Sulzlhütte
(1.466m). Hier lassen wir uns erst einmal eine gehörige
Portion Käsespatzen schmecken und genießen die Sonnenstrahlen,
welche jetzt immer öfter von Wolken verdeckt werden.
Der Hüttenhund „Pedro“ sucht inzwischen ständig die Nähe von
Joe, was der aber wiederum weniger amüsant findet und
jeglichen Annäherungsversuch mit einem leisen Knurren
erwidert. Trotzdem verläuft die Begegnung reibungslos und so
machen sie es sich „fast“ nebeneinander gemütlich. Als wir
dann den Heimweg antreten, schaut Pedro noch traurig Joe durch
den Bretterzaun hinterher, aber der gibt halt auf seine alten
Tage keinen vernünftigen Spielkameraden mehr ab. |
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