 |
|
|
|
Vilser Kegel (1.844m)
- Tannheimer Berge
|
|
|
Heute war der Felsgipfel über dem Städtchen Vils unser Ziel.
Unseren PKW parkten wir dazu oberhalb des Ortsteiles Angerwies
im Bereich eines Holzlagerplatzes. Nach rechts wies ein
Schild, auf dem der Schriftzug "Vilser Alm" geschrieben stand,
uns auf einen breiten Forstweg. Wir folgten also dem Fahrweg,
welcher auch gleich seinen Verlauf durch den kühlen Wald nahm.
Dies kam Nadja, Joe und mir nur zu gelegen, denn auch diesmal
kamen wir nicht rechtzeitig aus dem Bett und starteten unsere
Tour pünktlich zur Mittagshitze.
Auffällig an dem Anstieg zur Vilser Alm ist meines Erachtens
der Umstand, dass kein ausgewiesener Fußweg (Steig) zu der
Alpe führt. So legten wir also auf dem Fahrweg unsere Meter
zurück und gewannen halt hier an Höhe. An und für sich wäre
der Aufstieg wirklich idyllisch, wenn man allerdings einen
Blick auf die andere Talseite wirft, wird die Idylle jäh durch
den Anblick eines Kalksteinbruches zunichte gemacht. Gottlob
lassen wir diesen Eindruck bald hinter uns und hören nun das
Rauschen des imposanten Alpstrudelfalles.
Die Kraft des Wassers lässt sich hier leicht erahnen, wenn man
sieht welche Hohlräume und Grotten das nasse Element aus dem
Fels gefräst hat. Wie viele Jahrhunderte mögen dafür wohl
nötig gewesen sein?
Etwa 10 Minuten später tut sich vor uns ein breiter Almboden
auf. Dominiert wird das Bild von einer alten, verwitterten
Buche, die trotzig, ohne jegliche Gesellschaft inmitten des
großen Bodens steht. Am Abschluss des unteren Almbodens führt
der breite Fahrweg dann nochmals in ein kleines Waldstück.
Durch den Fichtenwald hindurch können wir schon das Hüttendach
der Vilser Alpe ausmachen.
An der Hütte angekommen muss man zuerst einmal ernüchtert
feststellen, dass es sich hier keinesfalls um eine Almhütte
handelt. Die Bezeichnung Alm-Hotel wäre hier schon eher
treffend. Um etwa halb eins war die Terrasse des "Alpenhotels"
jedenfalls brechend voll. Wir entschlossen quasi im
Vorbeigehen erst einmal einen Gipfel zu erklimmen und uns erst
später vor die "Hütte" zu setzen.
Unmittelbar hinter der Vilser Alm führt nun ein Steig links
hinauf ins so genannte Hundsarschjoch. Warum Hundsarschjoch?
Soweit ich weiß, kommt die Bezeichnung "Hundsarsch" daher,
dass die Bauern früher stets die Steine aus dem Weidegebiet
räumen mussten, um die Fläche als Weidegebiet erst einmal
nutzbar zu machen. Da sich aber im Bereich des
Hundsarschjoches ständig wieder Steine aus den darüber
befindlichen Schrofenwänden entleerten, wurde so mancher der
Bauern erbost darüber und ließ seinen Unmut in Form von
Beschimpfungen freien Lauf. Dabei dürfte wohl auch der etwas
derbe Ausdruck "Hundsarsch" gefallen sein.
... wie gesagt ist dies nicht gesichert! Trotzdem liegt ein
Funke Wahrheit darin. Wenn man nämlich dem Weg ins Joch hinauf
folgt, wird der Weg wirklich zunehmend gerölliger und dadurch
kraftraubend. Es hält sich jedoch noch in Grenzen und kann
sicher nicht als schwierig bezeichnet werden.
Das kleine Joch haben wir nun erreicht und ein schöner
Ausblick hinunter nach Musau und hinaus zu den
Königsschlössern tut sich auf. Unmittelbar unterhalb des
Joches liegen die Weideplätze der Hundsarschalpe. Nach einer
kurzen Rast folgen wir nun dem Steig zum Vilser Kegel.
Schon nach wenigen Metern treffen wir auf erste Probleme. Joe
kann einen vom Regen ausgespülten Wurzelstock einer Legföhre
(Latsche) nicht ohne Hilfe überwinden. Also muss ich
nachhelfen. Joe hasst es übrigens, wenn man ihn hochhebt. In
diesem Fall jedoch, lässt er es notgedrungen über sich
ergehen.
Für alle Blumenliebhaber hat dieser Grat jedenfalls einiges zu
bieten. Neben dem Weg wachsen unzählige Exemplare der
geschützten Aurikel. Dazwischen ist immer wieder einmal ein
Enzian in schönstem Blau auszumachen. Doch die Freude über die
Blumenpracht währt nicht lange, denn der Weg wird nun
zunehmend schwieriger. Über eine luftige Felsnase ging es
danach in einigen Serpentinen in Richtung Gipfelkreuz.
Etwa eine dreiviertel Stunde später saßen wir nun wieder vor
der Vilser Alm und blickten ins Joch zurück. Nun war Erholung
angesagt. Zum Erholen gehört natürlich ein gutes Essen.
Nachdem wir auf der Karte den Eintrag "Vilser Kuhfladen"
ausgemacht hatten, packte uns das Interesse. "Das müssen wir
probieren!" lautete die Parole. Minuten später landete die
"exotische" Köstlichkeit vor uns auf dem Tisch. Eine Art Pizza
mit Speck, Paprika, Lauch, Knoblauch und Sauerrahm - es
schmeckte uns vorzüglich.
Nach einem ausgiebigen Sonnenbad vor der Hütte traten wir
wieder den Weg ins Tal an. Wir wählten für den Abstieg den
selben Verlauf wie für den Aufstieg. Lediglich kurz vor dem
Zielpunkt wollte ich noch eine kleine "Abkürzung" nutzen. Eine
Tafel an einem Baum zeigte uns den Standort "Durchstich" an.
Gleich rechts davon zog sich ein Steig in Richtung Tal. Also
gleich dem Trampelpfad gefolgt. Bald trafen wir auch auf einen
Fahrweg.
Als wir der breiten Wegtrasse etwa 10 Minuten lang gefolgt
waren, bemerkte ich meinen Irrtum. Wir waren schnurstracks zu
dem Zementwerk gelaufen! Umkehren wollten wir nicht, da wir
schon ziemlich fertig von der ganzen Lauferei des Tages waren.
Unterhalb des Betriebsgebäudes machte ich dann doch noch einen
Fahrweg aus, welcher uns sicher zu dem Parkplatz führen würde.
Allerdings mussten wir zu diesem Zweck erst einmal den Kühbach
überqueren. Nur fand sich weit und breit keine Brücke.
Der Bach war nicht allzu breit und so entschloss ich mich für
einen gewagten Sprung auf einen breiten Stein, welcher mitten
im Bach für ein halbwegs trockenes Hinüberkommen sorgen
sollte. Leider ging dieser Plan für mich nicht so auf, wie ich
es erwartet hatte ;-)
Nachdem ich mich auf meine Trekkingstöcke stützend auf den
Stein hinüber geschwungen hatte, entpuppte sich der Felsklotz
als äußerst glitschig. Ich konnte diesen Gedanken gar nicht
mehr zu Ende weiterspinnen, da zog es mir schon die Füße weg.
Krampfhaftes Herumfuchteln mit den Armen und Beinen
verhinderten Schlimmeres und so stand ich halt bis zum
Bauchnabel im eiskalten Wasser. Nadja war das Entsetzen ins
Gesicht geschrieben als ich mich gefangen hatte und wieder zu
ihr emporblickte.
Ich war aber froh, nicht kopfüber ins Wasser gestürzt zu sein
und konnte eigentlich nur noch lachen. Nach dieser
Adventure-Einlage waren es nur noch wenige Schritte zum Auto,
die ich mit ca. 10 Liter Wasser in jedem Schuh zurücklegen
musste. |
 |










 |
|
|
|
| |
|
| Talort |
Höhendifferenz in m |
| Vils |
1.020 |
| |
|
| Stützpunkt |
Gebirgsgruppe |
|
Vilser Alm (1.225m) |
Tannheimer Berge |
| |
|
| Zeit in h |
Charakter |
| 4,5 - 5 |
bis zur Vilser Alm Fahrweg; ins
Hundsarschjoch zieht ein steiler, gerölliger Steig; ab dem
Hundsarschjoch ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
erforderlich |
| |
|
|
|
|
|
» weitere Links
Mitdiskutieren in der Außerferner Stube |
|
|
|
 |
|